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20.09.2014

Dritter wissenschaftlicher Männerkongress ging zu Ende

Über 200 Teilnehmer konnten die Veranstalter beim dritten wissenschaftlichen Männerkongress begrüßen, der am 19. und 20 September an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf stattfand. Unter dem Motto „Angstbeißer, Trauerkloß, Zappelphilipp - Seelische Gesundheit bei Männern und Jungen“ beschäftigten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zwei Tage lang mit Rollenstereotypen und kulturell vermittelten Rollenbildern, die Männern und Jungen den Zugang zu den eigenen Gefühlen und Bedürfnissen erschweren.

Im Mittelpunkt der Tagung standen deshalb neben der psychischen Belastung bei Jungen und Männern und dem Themenblock „Gewalt“ auch die Möglichkeiten, die Psychotherapien und Prävention darstellen können. „Die männliche Identitätsentwicklung ist aus psychoanalytischer, entwicklungspsychologischer und psychohistorischer Sicht strukturell komplex und konflikthaft;“ erklärte der Initiator des Männerkongresses, der Psychoanalytiker Prof. Dr. Matthias Franz, „Hieraus resultiert eine Anfälligkeit für identitätsstabilisierende Verhaltensmuster und Rollenstereotype, die häufig dysfunktionale und schwer gesundheits-schädigende Auswirkungen nach sich ziehen. Mit dem Kongress wollen wir das in das Blickfeld der Öffentlichkeit rücken“.

Zum Abschluss verabschiedeten die Teilnehmer elf Thesen mit Forderungen auch an die Politik:

  • Männer brauchen zur Prävention der Folgen von Arbeitsstress mehr niedrigschwellige Hilfsangebote wie Stresspräventionsgruppen oder die psychosomatische Sprechstunde im Betrieb.

  • Wichtig ist eine Priorisierung von Maßnahmen der Stressprä-vention bei Beschäftigtengruppen mit überdurchschnittlich hoher psychosozialer Arbeitsbelastung.

  • Im schambesetzten Feld männlicher Sexualstörungen sollte mehr Aufklärung - auch bei Ärzten - darüber erfolgen, dass oft unerkannte seelische Konflikte eine Rolle spielen.

  • Zwei wesentliche Gründe für die Unterdiagnostizierung von Depression bei Männern sind die Angst vor Stigmatisierung bei den Betroffenen und ein geschlechterbezogener Verzer-rungseffekt in der Depressionsdiagnostik zugunsten weiblicher Symptome. Depressivität kann sich bei Männern jedoch auch unter der Tarnkappe von Aggressivität, Suchtmittelmiss-brauch, Hyperaktivität oder Risikoverhalten manifestieren.

  • Die Gewaltbereitschaft von Jugendlichen stellt häufig eine schwer zu bewältigende soziale und therapeutische Herausforderung dar. Zu den Ursachen zählen neben sozialen und kulturellen Faktoren vor allem traumatische Erfahrungen, die zu Gewaltbereitschaft in der Adoleszenz führen.

  • Wünschenswert ist ein gendersensibler Umgang mit dem Thema partnerschaftlicher Gewalt und Gewalt innerhalb unserer Gesellschaft, der nicht weiter einseitige Täter-Opfer-Zuschreibungen (mit den Männern als Tätern) vornimmt.

  • Notwendig ist die gendergerechte Diagnostik des AD(H)S. Jungen sind anders als Mädchen. Diesbezüglich müssen die Leitlinien überarbeitet werden.

  • Der eher für Jungen typische Drang zu motorischer Bewegung und Expansivität sollte in Kindergarten und Schule nicht unreflektiert mit Aggression gleichgesetzt werden.

  • Die Bedeutung von Bewegung für die gesunde Entwicklung im Kindesalter, besonders bei Jungen, muss mehr bei der Diagnostik und ihrer Beurteilung fokussiert werden.

  • Bei der allmählichen Integration der Expansivität in mehr ruhige Verhaltensweisen sollten Jungen und männliche Jugendli-che weder durch eine zunehmend schnelle Verordnung von Medikamenten (Ritalin) noch durch einen vernachlässigenden Rückzug in Computerwelten allein gelassen werden. Vor allem Väter und männliche Ansprechpartner in Schule und Beruf sollten zeitlich und emotional gut verfügbar sein.

  • Frühzeitig angebotene bindungsorientierte Elterntrainings wie „wir2“ können eine präventive Wirkung entfalten.

  • Gerade bei AD(H)S sollte statt ideologischer Vereinfachung die Komplexität des Themas reflektiert werden. Beschleunigte Jungen (z.B. mit AD(H)S) und verlangsamte Mütter (z.B. mit Depressionen oder schweren Traumatisierungen) verweisen auf einen transgenerativen Zusammenhang.


Dr. Victoria Meinschäfer
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf


Für weitere Informationen:
www.maennerkongress2014.de

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