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03.06.2013

Behandlungsansatz für Gallengangskrebs durch Blockade von Signalkette

Dr. Ellen Katz
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Universitätsklinikum Tübingen

Aktuell in Cancer Cell publiziert: Zur Unzeit aktive Signalkette löst Gallengangskrebs aus – Blockade könnte neuen Behandlungsansatz ermöglichen

Das Gallengangskarzinom ist ein bösartiger Tumor, der sehr selten auftritt, dessen Erkrankungsrate in den letzten Jahren jedoch weltweit deutlich zugenommen hat. Die Ursachen dafür sind weitgehend unbekannt. Tübinger Wissenschaftler konnten bei Mäusen jetzt zeigen, dass der Anstoß einer bestimmten Signalkette innerhalb der Leber die Entstehung dieser Tumoren auslösen kann. Die in den Leberstammzellen – dem Ausgangspunkt des Tumors - aktivierte Signalkette dient bei der embryonalen Entwicklung der Ausbildung der Gallengänge und ist im Erwachsenenleben inaktiv. Die Erkenntnisse sind übertragbar: Produkte der aktivierten Signalkette konnten im Mausmodell ebenso wie in menschlichen Tumorgewebeproben nachgewiesen werden.

In den Forschungslabors ist es im Anschluss gelungen, auf Mäuse transplantiertes menschliches Gallengangstumorgewebe durch die Unterdrückung des Signalwegs zurückzubilden.

Professor Nisar P. Malek, Ärztlicher Direktor der Medizinischen Universitätsklinik Tübingen und Leiter der Forschungsgruppe: "Wir werden diese Ergebnisse so rasch als möglich in wissenschaftlichen Studien auf ihre klinische Anwendung bei Patienten testen. Wir sehen hier die Möglichkeit einer neuen Behandlungsstrategie für diese besonders seltene und häufig unheilbare Krebserkrankung."

Hintergrund

Intrahepatische Gallengangskarzinome sind Tumoren, die in den innerhalb der Leber liegenden Gallengängen entstehen. Ein erhöhtes Risiko tragen z.B. Patienten, die an Darm-, Leber- oder Gallenwegserkrankungen leiden, Gallensteine oder Gallengangsentzündungen haben. Da die Erkrankten oft lange keine Symptome zeigen, werden die Krebsherde häufig erst dann entdeckt, wenn die Patienten bereits in einem fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung sind, beispielsweise bei einer Routine-Ultraschall- oder Kernspin-Untersuchung. Eine endgültige Diagnose wird durch eine Biopsie und eine Gewebeprobe gestellt.

Die operative Entfernung des gesamten Tumors ist bis heute die einzige Möglichkeit für eine Behandlung mit Heilungsaussicht Die wenigsten Patienten können jedoch zum Zeitpunkt der Diagnose noch mit Erfolg operiert werden, und auch mit einer Chemotherapie lässt sich der Tumor nicht dauerhaft beherrschen.

Der Tumor ist zwar insgesamt selten, in den letzten 10 Jahren hat es aber in Deutschland eine 400 prozentige Steigerung der Mortalität gegeben, die bislang nicht erklärt werden kann.

Ärzte und Wissenschaftler des Universitätsklinikums Tübingen erhoffen sich von den vorliegenden Forschungsergebnissen ein verbessertes Verständnis dieser schwerwiegenden und lebensbedrohlichen Erkrankung. Die Blockierung der Signalkette in den Leberstammzellen ist durch einen Inhibitor möglich, der bereits in klinischen Studien bei anderen Tumorerkrankungen erprobt wird. Auch inwieweit die Blockierung der parallel in anderen Organen aktiven Signalkette berücksichtigt werden muss, gehört zu den aktuellen Forschungsprojekten und Studien.

Weitere Informationen

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft (idw)

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